Kinder Kinder

7. August 2008

Wie früher

Gespeichert unter: Jorid — partikelfg @ 09:27

Seit Dienstag weiß ich, wie sich meine Eltern früher gefühlt haben, wenn ich plötzlich verschwunden war. Besch… drückt es nicht ganz aus, eher machtlos, hilflos, verwirrt, sich unendlich Sorgen machend, mit den Nerven am Ende, sich selbst Vorwürfe machen.

Ich war mit den Mädels auf dem Untermarkt Eis essen. Als wir fertig sind, sage ich: So, jetzt gehen wir noch zu Alten Mensa einen Brief reinstecken. Das jetzt hätte ich mal lieber nicht sagen sollen, denn ich fummle maximal 5 Sekunden am Kinderwagen herum und als ich wieder aufblicke, ist Jorid samt ihrem Fahrrad verschwunden. Sie kann nicht weit sein, denke ich so. Ich lauf also los Richtung Alte Mensa und denke mir, dass sie sicher hinter der nächsten Ecke steht. Nun, das erweist sich leider als falsche Hoffnung. Jetzt werd ich doch langsam nervös und fange an nach ihr zu rufen. Keine Reaktion. Ich frage Passanten. Fehlanzeige. Ich frage mich, welchen der 8 möglichen Wege Jorid genommen haben könnte. Eine Frau meint, am Schloßplatz habe sie einen Jungen mit einem roten Fahrrad gesehen. Ich Nein, so weit kann sie eigentlich nicht weg sein. Jetzt verzweifle ich langsam und versuche Frank zu erreichen, damit er mir von zu Hause entgegen kommt und Jorid vielleicht irgendwo aufgabelt. Keine Reaktion. Sch… Mit einem Kinderwagen, Kiddyboard und schwerem Rucksack ist man ja auch nicht gerade schnell und wendig. In meinem Kopf schwirren tausend Gedanken durcheinander und langsam steigen mir die Tränen in die Augen. Nachdem ich noch ein paar Gassen abgesucht habe, kommt mir die oben erwähnte Frau mit Jorid entgegen. Riesenerleichterung. Ach Jorid, du kannst doch nicht einfach so los fahren. Ach Mama, ich hab dich zu Hause gesucht, aber du warst nicht da. Also doch Schloßplatz, denk ich mir so. Mach so etwas nie wieder!

Auf dem Heimweg fährt Jorid weinend hinter mir her, Meret ist ganz besorgt um uns beide und ich bekomme abends Migräne.

2 Kommentare »

  1. Ja, das kenne ich. Es wird nicht das letzte Mal gewesen sein. Diesen “Zustand” kann man garnicht beschreiben, den erlebt man nur, wenn die Kinder weg sind.

    Kommentar von Anke — 7. August 2008 @ 17:29

  2. Tut mir leid, dass Du das auch mitmachen musstest. Vielleicht hängst Du den Kindern SOS-Hülsen um. Und sag, ihnen noch mal was sie machen sollen, wenn sie Dich nicht mehr sehen: Stehen bleiben. Laut Mama rufen und die Adresse sagen, wenn sie angesprochen werden.

    Kommentar von Mama — 8. August 2008 @ 17:31


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